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Psychische Gesundheit am Arbeitsplatz in Deutschland und Weltweit

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Herr Eßer: Am Montag fand das Thema Psychische Gesundheit beim World Mental Health Day große Aufmerksamkeit. Wenn wir über den Arbeitsplatz sprechen, ist Mental Health da eher etwas Neues?

Mental Health am Arbeitsplatz ist nicht unbedingt etwas ganz Neues. Das Thema findet aber immer mehr Aufmerksamkeit. Fachmedien berichten häufiger darüber, und auf Kongressen wird öfter über psychische Gesundheit gesprochen also noch vor wenigen Jahren. Aktuell hat auch die WHO zu dem Thema zwei Berichte veröffentlicht, der eine zur psychischen Gesundheit insgesamt, der andere zur psychischen Gesundheit am Arbeitsplatz. Seit Anfang des Jahres gibt es in Deutschland zudem einen eigenen ICD-Code für Krankschreibungen bei beruflich bedingtem Burnout. Hinzu kommt, dass körperliche Belastungen weniger werden, weil mehr technische Unterstützung für Arbeit da ist, die früher körperlich verrichtet wurde. Durch all diese Aktivitäten gewinnt die mentale Gesundheit zunehmend an Bedeutung für Arbeitgeber und Arbeitnehmer.

Herr Eßer: Kann man die Belastung für die psychische Gesundheit am Arbeitsplatz fundiert beurteilen, oder ist das eher ein allgemeines Empfinden?

Ja, es gibt Methoden, um die psychische Belastung zu erfassen und zu messen. Im Wesentlichen werden drei Methoden verwendet. Erstens geschieht das über einen papier- oder internetbasierten Fragebogen, in dem die Belastung im Unternehmen beim Arbeitnehmer abgefragt wird. Zweitens werden repräsentative Gruppen von Arbeitnehmern gebildet, in denen Belastungen besprochen und erfasst werden. Drittens besteht die Möglichkeit der Expertenbegehung am Arbeitsplatz, um dann direkt in Einzelgesprächen und Beobachtungen die Belastung der psychischen Gesundheit zu messen. Es mag in dem ein oder anderen Unternehmen ein allgemeines Empfinden geben, aber die Belastung kann durchaus objektiv beurteilt werden.

Herr Eßer: Ist das Thema ein speziell in Deutschland relevantes?

Nein. Es ist allerdings so, dass in Deutschland im Arbeitsschutzgesetz vorgegeben ist, dass die psychische Belastung am Arbeitsplatz zu beurteilen ist und in die Gefährdungsbeurteilung mit aufgenommen werden muss. In anderen Ländern finden die psychischen Belastungen zwar innerhalb des so genannten Risk Assessments Beachtung, weil sie Teil der Arbeitsbelastungen insgesamt sind. Die explizite Erwähnung im Gesetz ist jedoch nur in wenigen Ländern vorzufinden Die psychische Gesundheit von Arbeitnehmern ist in jedem Fall etwas, was in Unternehmen weltweit eine Rolle spielen sollte, wenn es um Belastungen geht, die durch zeitliche Überlastung, durch Entfremdung von der Arbeit, durch wenig Einfluss auf das, was man tut oder auch durch Konflikte mit Vorgesetzten entstehen können.

Herr Eßer: Welche Unterschiede beobachten Sie international?

In vielen Ländern ist die Aufmerksamkeit für das Thema Mental Health noch nicht da, und Unternehmen messen die psychische Belastung nicht. In einigen Ländern ist mentale Gesundheit sogar ein Tabuthema, oder es wird nur wenig darüber gesprochen. Dort wird das Thema Psychische Krankheit mit „Verrücktsein“ gleichgesetzt und emotionale Dysbalance als nicht akzeptabel angesehen. Weltweit existieren also große Unterschiede, vergleichbar mit den auch sonst starken Unterschieden bei der Qualität der Gesundheitssysteme. Auch der Arbeitsschutz ist international sehr unterschiedlich ausgeprägt. Leider ist es ja bekannt, dass es viele Menschen auf der Welt gibt, die unter extrem belastenden Bedingungen arbeiten müssen, und das betrifft sowohl die körperlichen als auch die psychischen Belastungen.

Herr Eßer: Welche Neuigkeiten gibt es bei International SOS zu dem Thema?

International SOS hat das zum Anlass genommen und entwickelt zurzeit einen Leitfaden zur psychischen Belastung am Arbeitsplatz, gemeinsam mit Spezialisten aus Arbeitsmedizin, Psychologie sowie aus Unternehmen, die sich bereits der mentalen Gesundheit von Arbeitnehmern angenommen haben. In dem Leitfaden werden die rechtlichen Grundlagen beleuchtet, geschaut, wo die internationalen Unterschiede liegen und die Methodik beschrieben, wie sich psychische Belastung am Arbeitsplatz messen lässt. Ein Fokus liegt auf der Betrachtung von Unternehmen im internationalen Umfeld, die in verschiedenen Ländern der Welt Niederlassungen haben oder deren Mitarbeiter ins Ausland reisen.