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BVSW im Gespräch: Wie Unternehmen ihre Resilienz in Krisenzeiten stärken können

Porträt Caroline Eder vom Verband BVSW

Caroline Eder ist Geschäftsführerin des Bayerischen Verbandes für Sicherheit in der Wirtschaft (BVSW). Sie ist seit vielen Jahren in der Sicherheitsbranche tätig und verantwortet die strategische Weiterentwicklung des Verbandes sowie die Zusammenarbeit mit Unternehmen, Behörden und Sicherheitsexperten. Der BVSW wurde 1976 gegründet und unterstützt Unternehmen bei der Bewältigung sicherheitsrelevanter Herausforderungen – von Unternehmens- und Reisesicherheit über Cybersecurity bis hin zu Krisen- und Notfallmanagement. Der Verband versteht sich als Plattform für Wissenstransfer, Vernetzung und Interessenvertretung der Wirtschaft in Sicherheitsfragen.

Warum ist die Zusammenarbeit mit Partnern wie International SOS für den BVSW wichtig? 

Sicherheit lässt sich heute nicht mehr isoliert betrachten. Unternehmen agieren global, Mitarbeiter reisen in komplexe Risikoregionen, und Krisen entwickeln sich oft grenzüberschreitend. Partner wie International SOS bringen internationale Expertise, operative Erfahrung und aktuelle Lageinformationen ein.

Die Zusammenarbeit ermöglicht es, Unternehmen praxisnahe Lösungen für Reisesicherheit, Gesundheitsrisiken, Krisenmanagement und Business Continuity bereitzustellen. Gleichzeitig profitieren die Mitglieder des BVSW von einem erweiterten Netzwerk und dem Zugang zu spezialisiertem Know-how.

Wie beeinflussen geopolitische Entwicklungen die Sicherheitsanforderungen an Unternehmen?

 

Geopolitische Spannungen, regionale Konflikte, Sanktionen, hybride Bedrohungen und zunehmende Instabilitäten verändern die Risikolandschaft erheblich.

 

Unternehmen müssen heute nicht nur klassische Sicherheitsrisiken berücksichtigen, sondern auch Lieferkettenstörungen, politische Unruhen, Cyberangriffe, Desinformationskampagnen und Einschränkungen der Mobilität. Sicherheit wird dadurch zunehmend zu einer strategischen Managementaufgabe und einem wesentlichen Bestandteil der Unternehmensresilienz.

Wie hat sich das Bewusstsein für Travel Risk Management und die Fürsorgepflicht in deutschen Unternehmen in den letzten Jahren entwickelt?

 

Das Bewusstsein ist deutlich gestiegen. Ereignisse wie die COVID-19-Pandemie, geopolitische Krisen, Naturkatastrophen oder regionale Konflikte haben Unternehmen vor Augen geführt, wie schnell sich Rahmenbedingungen ändern können.

 

Die gesetzliche und moralische Fürsorgepflicht gegenüber Mitarbeitenden wird heute ernster genommen als noch vor einigen Jahren. Während große Unternehmen häufig bereits etablierte Prozesse besitzen, holen insbesondere mittelständische Unternehmen beim strukturierten Travel Risk Management zunehmend auf.

Wie sollten Unternehmen Travel Risk Management strategisch angehen, um resilienter zu werden?

 

Travel Risk Management sollte als integrierter Bestandteil des Unternehmensrisikomanagements verstanden werden. Dazu gehören:

 

  • Klare Reiserichtlinien und Verantwortlichkeiten
  • Systematische Risikoanalysen vor Reisen
  • Schulungen und Sensibilisierung von Mitarbeitenden
  • Echtzeitinformationen zu Sicherheits- und Gesundheitsrisiken
  • Notfall- und Evakuierungspläne
  • Krisenkommunikationsprozesse
  • Regelmäßige Übungen und Überprüfungen der Maßnahmen

Entscheidend ist dabei ein ganzheitlicher Ansatz, der Prävention, Reaktion und Nachbereitung gleichermaßen berücksichtigt.

Wie gut sind deutsche Unternehmen derzeit auf Krisensituationen im Ausland vorbereitet – und welche typischen Schwachstellen sehen Sie im Krisenmanagement?

 

Die Vorbereitung hat sich insgesamt verbessert, allerdings gibt es nach wie vor erhebliche Unterschiede zwischen großen Konzernen und mittelständischen Unternehmen. Typische Schwachstellen sind:

 

  • Fehlende Transparenz darüber, wo sich Mitarbeitende aktuell befinden
  • Unzureichende Krisen- und Kommunikationspläne
  • Nicht ausreichend definierte Entscheidungswege
  • Mangelnde Übungen und Tests der Krisenorganisation
  • Fehlende Verzahnung zwischen Security, HR, Travel Management und Geschäftsleitung

Gerade in dynamischen Krisensituationen zeigt sich, dass Prozesse und Verantwortlichkeiten bereits vor dem Ereignis klar definiert sein müssen.

Die neue DIN SPEC 14027 Corporate Security adressiert unter anderem Travel Risk Management und Krisenmanagement. Für welche Unternehmen ist die Anwendung besonders relevant?

 

Die DIN SPEC 14027 ist grundsätzlich für alle Unternehmen interessant, die Sicherheitsrisiken systematisch steuern möchten. Besonders relevant ist sie für:

 

  • International tätige Unternehmen
  • Organisationen mit reisenden Mitarbeitenden
  • Unternehmen mit kritischen Lieferketten
  • Betreiber kritischer Infrastrukturen
  • Mittelständische Unternehmen mit wachsender internationaler Präsenz

Die Spezifikation bietet einen praxisorientierten Rahmen, um Sicherheitsstrukturen professionell aufzubauen und weiterzuentwickeln.

Warum ist die Vernetzung mit Organisationen wie dem BVSW und Partnern wie International SOS entscheidend für wirksame Krisenprävention und globale Sicherheit?

 

Kein Unternehmen kann heute alle sicherheitsrelevanten Entwicklungen allein beobachten und bewerten. Wirksame Krisenprävention basiert auf Informationsaustausch, Erfahrungstransfer und vertrauensvollen Netzwerken. Organisationen wie der BVSW bringen Unternehmen, Behörden, Wissenschaft und Sicherheitsdienstleister zusammen. Partner wie International SOS ergänzen diese Netzwerke um internationale Lagekompetenz und operative Unterstützung.

 

Durch diese Vernetzung können Risiken frühzeitig erkannt, Best Practices geteilt und Krisen deutlich effektiver bewältigt werden. Gerade in einer zunehmend vernetzten und volatilen Welt ist Zusammenarbeit ein zentraler Erfolgsfaktor für nachhaltige Unternehmenssicherheit.

Sehen Sie beim Thema Corporate Security Unterschiede zwischen deutschen und österreichischen Unternehmen?

 

Die Herausforderungen österreichischer Unternehmen im Bereich Corporate Security sind denjenigen deutscher Unternehmen sehr ähnlich. Allerdings existiert in Österreich bislang keine mit Deutschland vergleichbare, übergreifende Verbandsstruktur für Unternehmenssicherheit. Zwar gibt es verschiedene Netzwerke und Austauschformate, diese decken jedoch nicht die gesamte Breite der Sicherheitsbelange von Unternehmen ab.

 

Gerade hierin liegt eine Chance für eine noch stärkere Vernetzung im deutschsprachigen Raum. Der Austausch von Erfahrungen, Best Practices und aktuellen Lagebildern über Ländergrenzen hinweg kann einen erheblichen Mehrwert schaffen. Österreichische Unternehmen sind daher herzlich eingeladen, sich in bestehende Netzwerke einzubringen und den Dialog mit dem Bayerischen Verband für Sicherheit in der Wirtschaft e.V. (BVSW) und seinen Mitgliedsunternehmen zu suchen. Gemeinsame Herausforderungen erfordern zunehmend gemeinsame Antworten – und eine enge Zusammenarbeit stärkt letztlich die Resilienz aller beteiligten Unternehmen.